Rekonditionierung
Bei den Strugatzkis gibt es einen sehr interessanten Begriff. Konditionierung – ein Vorgang, bei dem ein Spezialagent, bevor er auf einen fremden Planeten mit einer grausameren Kultur entsandt wurde, eine mentale Umschulung durchlief – die Regeln der zivilisierten Welt vergaß und unempfindlicher gegenüber dem wurde, was er dort zu sehen bekommen würde – gegenüber dem, was auf einer weiter entwickelten Welt als inakzeptabel, als monströs galt.
Ich denke oft an diesen Begriff zurück. Eines Abends saß ich auf der Terrasse eines Wolkenkratzers und unterhielt mich mit dem CTO irgendeines Konglomerats. Mich interessierte, wie er auf diese Welt blickt, als wen er sich selbst begreift. An jenem Tag fragte ich ihn: Wie bleibst du unter einem solchen Druck du selbst? Hast du in diesem ununterbrochenen Wettlauf dein wahres Selbst nicht verloren? Als er meine Frage hörte, lachte er.
Dein wahres Selbst? So etwas gibt es nicht. Das ist alles Fiktion. Du hast Pflichten, und du füllst eine Rolle aus. Hast du dich je gefragt, warum manche der bekanntesten US-Präsidenten Schauspieler waren? Du selbst bleiben… Überlass das Hollywood.
Bei den Strugatzkis gibt es auch den umgekehrten Begriff. Rekonditionierung. Wenn der Agent von seinem Einsatz zurückkehrte, wurde sein Bewusstsein wieder in den früheren Zustand versetzt. Er wurde erneut zivilisiert, fortschrittlich. Er wurde wieder er selbst. Oder wurde er wieder der, der er einmal war?