Experten
Die Großmeister nahmen am Schachbrett Platz. Eine schwere Hand fiel auf die mechanische Uhr, der Zeiger setzte sich in Bewegung.
Hinter einer Glaswand versammelten sich die Zuschauer in Erwartung einer gereiften Schlacht. Renommierte Experten, vorbildliche Kommentatoren und Amateure konnten das gesamte Geschehen überblicken – zweifellos weit besser als die Spieler selbst.
Während die Großmeister ihre ersten Züge machten und Tausende möglicher Varianten abwogen, wurde hinter dem Glas bereits eifrig darüber diskutiert, wie diese Partie zu spielen sei. Bewährte Vorgehensweisen, mögliche Endspielausgänge, die Schwächen der Spieler und natürlich konkrete Ratschläge – Züge, die in jener Stellung unbedingt zu machen seien, die das Brett noch nicht gesehen hatte, in der sich die Kontrahenten jedoch mit Sicherheit wiederfinden würden.
Als die Partie das Mittelspiel erreichte, begannen von verschiedenen Seiten gegensätzliche Ideen aufzutauchen. Für die Amateure war das kein Anlass zu Fragen – eifrig notierten sie das Gehörte in ihre Notizbücher, um beim nächsten Mal, wenn sie sich in einer ähnlichen Situation wiederfänden, die Stellung gewiss richtig einzuschätzen und zu gewinnen.
Während sich die Zeit der Zuschauer in schwüler Erwartung des nächsten Zuges dehnte, nutzten die Großmeister unermüdlich jeden Augenblick – nur kompromisslose Disziplin und Gelehrsamkeit konnten den Ausgang der Auseinandersetzung noch wenden. Schließlich trat die Partie ins Endspiel ein.
Die Experten begannen, die offensichtlichen Fehler der Großmeister zu diskutieren – solche Züge hätten unter keinen Umständen gespielt werden dürfen! Die Amateure, die die Partie selbst längst aus den Augen verloren hatten, schrieben Ratschläge mit und lauschten mit offenem Mund den erstaunlichen Kennern, die scheinbar auf jede Frage eine Antwort wussten. Begeistert riefen sie den Großmeistern zu, wie man hätte ziehen müssen, wo die größte Gefahr liege und was sie nun erwarte.
Die Großmeister saßen hinter dem Glas und hörten die Experten nicht. Schließlich ging die Partie zu Ende. Die Zuschauer verließen, nach dem obligatorischen Händedruck der Kontrahenten, den Saal in Begleitung der Experten. Die Profis tauschten derweil wenige präzise Worte aus und zogen sich still zurück.