Ich kaufte Siebenmeilenstiefel
Neugier führte mich in ein Geschäft für magische Artefakte. Rot leuchtende Stiefel zogen meinen Blick sofort an, und die Aufschrift darunter – „Wir bringen dich dorthin, wohin du willst“ – ließ mir keine Wahl. Kaum war ich aus dem Laden, machte ich mich auf den Weg.
Die Stiefel hatten nur einen Makel: Sobald ich auch nur die leiseste Idee hatte, wohin ich gehen wollte, trugen sie mich schon dorthin. Mir blieb nur, Schritt um Schritt mitzuhalten – den Stiefeln waren Müdigkeit, Blasen und abgeriebene Sohlen gleichgültig. Glaub mir: Sie unterwegs auszuziehen wäre noch tollkühner gewesen, als bei voller Fahrt nur mit dem Vorderrad zu bremsen.
Ich stürzte oft. Ich lernte, im Gehen wieder aufzustehen, die Stiefel in einer Pfütze zu waschen, die Sohle mit dem glühenden Teer des Bürgersteigs zu erneuern. Seltene, erfahrene Schnellläufer, denen ich begegnete, brachten mir bei, im Gehen zu kochen und im Gehen zu schlafen; sie teilten Wege mit mir, auf denen Langsame steckenbleiben. Jede solche Begegnung eröffnete eine neue Route – und ich gelangte dorthin, wo seit Langem kein menschlicher Fuß mehr hingetreten war.
Jahre vergingen, und diese Stiefel sind immer noch an meinen Füßen. Manchmal blenden sie Passanten, doch für mich sind sie längst nur Schuhe – ich könnte mir gar nicht mehr vorstellen, andere zu tragen. Denn je länger ich in diesen Stiefeln unterwegs war, desto besser verstand ich mich selbst. Die Beine taten nicht mehr weh, der Verstand lernte zu entscheiden, wo man abbremsen sollte – und wo es sich lohnt zu laufen. Manchmal versuchen die Stiefel, die Oberhand zu gewinnen – doch wie ein zugerittenes Pferd kehren sie schnell unter die Kontrolle des Reiters zurück.
Von Zeit zu Zeit sagt man mir, ich sei zu schnell, und bittet mich, langsamer zu werden. Manchmal stimme ich zu: Dann gehen wir in ihrem Tempo, wir reden. Mit ihnen ist es interessant – manchmal erfährt man von ihnen etwas, das man bei Tempo nicht bemerkt hätte. Gemeinsam traten wir Pfade aus, die ein einzelner Mensch nicht zustande brächte.
Doch sobald die Sache erledigt war, meldeten die Stiefel sich wieder – und ich beschleunigte nach vorn, um endlich zu sehen, was sich im Nebel der Berge verbirgt. Wahrscheinlich betrachtete der eine Tautropfen, während der andere Blumen pflückte. Eines Tages holen sie mich ein und erzählen es mir.
Oder auch nicht.